Am Freitag, den 9.2.2024 hatte ich einen Termin mit dem Oberarzt im Krankenhaus: „Kommen sie morgen wieder, es wird eingeleitet.“ Zu schlecht waren die Werte und am Samstag der Meilenstein von 37+0. So kam es, dass wir am nächsten Tag mit gepackter Kliniktasche vor dem Kreissaal standen, ein CTG geschrieben wurde, um dann zu hören, dass es keinerlei Kapazitäten gibt. 4 Frauen stehen unter Einleitung, weitere 2 sind auf der Warteliste. Ich kann bleiben, aber wann irgendwas passiert, ist fraglich. Also fuhren wir wieder heim, sollten es am nächsten Tag erneut versuchen. Aber auch am Sonntag: Keine Kapazität. Die Tage zuvor haben mich geschlaucht, das tägliche CTG verursacht mir dank Symphyse unfassbare Schmerzen und ich breche andauernd in Tränen aus, weil alles schmerzt und die psychische Belastung kaum noch aushaltbar ist. O-Ton der Ärztin: „Sie haben eine tickende Zeitbombe im Bauch.“ Montag Morgen fahren wir wieder mit gepackter Tasche in die Klinik und auch heute: Nach dem CTG schreiben ein Gespräch mit der Ärztin – Keine Kapazität für medikamentöse Einleitung. Aber sie können mir anbieten, es nun mit einem Ballon Katheter zu probieren, denn „Es wird langsam Zeit, dass was passiert.“. Genau das, was für mich die wirklich letzte Option war… Dennoch stimme ich zu. Prompt geht es in den Behandlungsraum und die beiden Ballons werden mit 80ml gefüllt und sollen den Muttermund öffnen. Ist es erfolgreich, fällt es heraus, ansonsten wird es nach 24 Stunden entfernt. Und es passiert… Nichts. Schmerzhafte CTGs (Hello Symphyse) mit keinerlei Wehen, eine schlaflose Nacht und am nächsten Tag die Nachricht: Ab jetzt wird mit Einleitungstabletten begonnen. Gegen 9 Uhr bekomme ich die erste Tablette, mir wird gesagt, dass man für heute eventuell die Einleitung später stoppen müsse, wenn sich Niemand für den Spätdienst findet, denn eine Hebamme ist eindeutig zu wenig. Ansonsten würde es um 13, 17- und um 21 Uhr die nächsten Tabletten und CTGs geben. Aber: Glück gehabt, es geht weiter. Die CTGs sind ruhig, dem Baby geht’s gut, selbst mein Blutdruck ist mittlerweile wieder völlig in Ordnung. Zurück auf der Station stelle ich fest, dass ich kurzerhand verlegt wurde. Wieder eine neue Bettnachbarin. „Keine Sorge, dies bleibt nun ihr Zimmer, sie werden erst wieder verlegt, wenn sie entbunden haben.“ Der Mann und ich versuchen den Tag im Krankenhaus irgendwie rumzubekommen, ich bin gefrustet, dass nichts passiert und die Situation eventuell noch so lang im Krankenhaus sein zu müssen, wird für mich immer schlimmer. „Kommen sie um 17 Uhr zum CTG, dann gibt es die nächste Tablette.“ Das WLAN ist eine Katastrophe, Telefonempfang gibt es gar nicht. Aber was ist, wenn es los geht? Die Hebammen können den Mann zwar informieren, aber was, wenn es schon zu spät dafür ist? Die Besuchszeiten sind ätzend, das Essen auch und ich möchte einfach nur nach Hause. Und dann ist es 17 Uhr. Wir kommen beim Kreisaal an und aus einem Raum hört man eine Frau, die grad scheinbar wirklich schmerzhafte Wehen verarbeiten muss. Mein Mann sagte noch lachend zur Hebamme: „Helfen sie erst der Frau dort, meine Frau ist noch nicht so weit.“ Im CTG Raum bietet mir die Hebamme an, mich diesmal im sitzen zu verkabeln und ich bin unendlich dankbar. Wir lachen zusammen, sie gibt uns scherzhaft Tipps, wie man alles noch ankurbeln kann und auf einmal merken wir: „Wir kennen uns doch?“ Und tatsächlich – Sie ist die Frau, die damals bei der Geburt von C. dabei war. Das CTG startet und nach 15 Minuten würde es die nächste Tablette geben. Kaum angeschlossen, steigt die Wehentätigkeit minütlich auf über 80, dabei merke ich rein gar nichts. Das ist doch nur das Baby, was ihren Po mal wieder gegen die Bauchdecke drückt? Die Hebamme kommt wieder, hat alles über den Bildschirm im Kreissaal verfolgt (Bei denen grad auch noch eine Führung stattfindet) und sagt: „Ihr CTG sieht aus, wie die Frau nebenan sich anhört.“ Eine weitere Tablette will sie mir nicht geben, stattdessen würde sie mich gern kurz untersuchen. Okay? Kaum auf der Liege merke ich auf einmal, dass etwas läuft. Wirklich jetzt? Hab ich auf den letzten Metern meine Blase nicht mehr im Griff? Und nochmal. „Also entweder ich habe mich grad eingepinkelt, oder das war die Fruchtblase.“, sage ich zur Hebamme und kaum beginnt sie mit der Untersuchung, läuft es nur noch schwallartig. Die Fruchtblase! „Tja, Muttermund bei 3cm und ihr Baby liegt sehr sehr tief.“ Auf einmal brechen der Mann und ich völlig in Tränen aus. Es geht los! Ich werde nicht mehr tagelang wartend im Krankenhaus sitzen! Ich bin einfach nur erleichtert. Wir sprechen noch drüber, wie lang sie heute Schicht hat und auch morgen wäre sie wieder da. Wie cool es wäre, wenn sie auch diesmal wieder dabei wäre. Wenn ich möchte, könnte ich noch mal zurück auf die Station, um mich frisch zu machen – Meine Hose trieft förmlich. Langsam laufen wir zurück zur Station, doch auf den Weg dorthin kommen 2-3 Wehen, die nun doch tatsächlich schmerzhaft sind, sodass ich stehen bleiben muss und mich an den Haltestangen im Gang festhalte. Für mich ist klar: So gehe ich nicht zurück ins Zimmer, wo die Bettnachbarin sich befindet. Der Mann bringt meine Sachen zurück ins Zimmer, ich versuche noch eine kurze Nachricht über WhatsApp zu verschicken, doch da rollt schon die nächste Wehe an. Kaum ist er zurück, sage ich, dass ich genau an dem Punkt bin, als es bei J. nur noch grob 30 Minuten waren, als mich schon die nächste Wehe überrollt. Und dann drückte der Mann den Alarmknopf in der Personalküche, der Raum, der direkt neben mir im Gang ist. Nichtsahnend, dass dann tatsächlich die Schwestern angerannt kommen – Anders als bei der Klingel im Zimmer. Ups… Sie sagen, dass wir uns auf den Weg zurück in den Kreissaal machen sollen, gehen zurück in ihre Pause, um zu essen. Kaum sind sie weg, sage ich nur noch: „Ich muss pressen“ und fühle schon, wie etwas zwischen meinen Beinen ist. Und wieder drückt er den Alarmknopf, ruft: „Diesmal ist es ein Notfall!“ Und dann geht alles ganz schnell. Sicher ist, zurück laufen schaffe ich nicht mehr, die ganze Station ist in Aufruhr, ich presse, die Hebammen kommen angerannt, es wird wahllos ein Bett vom Flur genommen und mich irgendwie aufs Bett gehievt, umständlich, weil ich mich sonst auf den Kopf des Babys setze. Zusammen mit dem Bett, ich auf dem Bauch liegend, rennen sie, gemeinsam mit dem Mann, der Vollgas gibt, in den Kreissaal. 5 Minuten dauert es dort noch, bis unsere kleine Tochter geboren wird. Und auf einmal ist sie da, unsere kleine Alice Melia. Noch kurz zuvor im CTG Raum dachte ich, es würde noch ewig dauern, wenn der Muttermund grade mal bei 3cm ist und auf einmal halten wir unser kleines Wunder im Arm. Ein Jahr haben wir gehofft, 9 Monate ist mein Bauch gewachsen und 10 Minuten waren es, bis sie das Licht der Welt erblickte. Wie das Kaninchen in Alice im Wunderland hatte sie es eilig und überrumpelte uns tatsächlich alle…
Geburtsbericht Alice Melia
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